Llotja dels Mercaders in Palma
Nicht weit von der Kathedrale Le Seu entfernt, im Süden der Altstadt Palmas Richtung Hafen, steht das beeindruckende Gebäude Llotja dels Mercaders (auch La Lonja de los Mercaderes bzw. Colegio de los Mercaderes). Im ersten Moment hat man das Gefühl, vor einer Kirche zu stehen. Die spitzbogigen Eingangsportale im gotischen Stil, achteckigen Türme an den Seiten, Figuren und Symbole von Engeln sowie verschiedene Schutzpatrone bestätigen diesen ersten Eindruck. In Wahrheit aber diente Llotja zwischen den Jahren 1450 und 1830 als Sitz der Seehandelsbörse. Es war die Zeit, als Mallorca eine wichtige Rolle im Seehandel spielte und König Martí I. ein Privileg zur Gründung der Seehandelsbörse erteilte. Für Palma bedeutete das den Aufstieg zu einer der reichsten Seehandelsmächte.
Als der Bau von der Handelsvereinigung in Auftrag gegeben wurde, hatte man mit einer Bauzeit von 12 Jahren gerechnet. Unter der Leitung des Architekten Guillem Sagrera, der auf Mallorca in Felanitx als Sohn eines Steinmetzes geboren wurde und sonst hauptsächlich an spanischen Kirchenbauten arbeitete, begannen 1426 die Arbeiten an Llotja. Sagrera konnte die Frist allerdings nicht einhalten und so wurde der Auftrag an den ebenfalls einheimischen Baumeister Vilasolar weitergereicht, der den Bau vollendete. Mit Llotja dels Mercaders hat Palma ein weiteres Meisterwerk gotischer Baukunst erhalten.
Bei den Engeln und Schutzpatronen handelt sich um die Ángeles de la Mercadería (Engel der Handelsware) und Patrone der Händler, wie Christopherus, Nikolaus von Myra und Bartholomäus. Etwas furchterregender wirken die wasserspeienden Tierköpfe, die das Böse draußen halten sollten.
Im Innenraum mit dem 28 Meter hohen Gewölbe herrschte einst ein reger Betrieb. Alle Handelsgeschäfte der 25 ausländischen Handelsvertretungen wurden hier abgewickelt. Nach der Entdeckung des Seehandelsweges nach Amerika wurde es ruhiger um Llotja. 1830 löste sich die Seehandelsbörse schließlich auf und der Bau wurde lange Zeit als Warenlager genutzt. Während der Napoleonischen Kriege diente es sogar als Manufaktur, um Kanonen herzustellen. Seit 1886 ist Llotja dels Mercaders schließlich für die Öffentlichkeit zugänglich. Zuerst war hier das Museum für Archäologie untergebracht, heute finden regelmäßig Kunstausstellungen in den ehrwürdigen Mauern statt.
Öffnungszeiten:
Di – Sa 11 – 14 Uhr und 17 – 21 Uhr,
So 11 – 14 Uhr